Grenzweg zwischen Horst und Elmshorn ist ein Holzweg

Obwohl die Planungen für den Grenzweg begonnen haben, sollte die Vernunft siegen und die Planung des
Straßenneubaus wieder eingestellt werden. Das Verkehrsgutachten der Fa. Argus1 vom 12.06.2020 zeigt eindrücklich, dass die gegenwärtigen Verkehrsprobleme mit dem Neubau der Straße nicht gelöst werden.

Wer sich die Verkehrsprognose genauer anschaut, kann feststellen, dass auf der Straße des künftigen Grenzweges fast 12.000 Fahrzeuge pro Tag vorhergesagt werden. Ein Gebiet in dem heute kein Verkehr fließt.

Im Gutachten heißt es: „Gegenüber dem Analysefall tritt insbesondere auf der L 100 zwischen dem südlichen Anschlussknoten der Neubaustrecke und der Gemeinde Steinburg bzw. der hierüber zu erreichenden Anschlussstelle Hohenfelde an der A 23 eine Reduktion der Verkehrsbelastung, um je nach Abschnitt zwischen rd. 2.500 bis 3.800 Kfz/24h, auf.
Weitere geringfügige Entlastungen ergeben sich auf der L 113 zwischen der L 75 und der L 288. Auf allen übrigen Strecken im Planungsraum kann im Vergleich zum Analysefall eine Stagnation oder Zunahme der Verkehrsbelastung beobachtet werden, da die entlastende Wirkung durch die Neubaustrecke durch deutliche Zunahmen des Verkehrsaufkommens aufgrund der Wohn-und Gewerbeflächenentwicklung überlagert wird.
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Vor allem der Horstheider Weg soll entlastet werden, der heute wie ein Autobahnzubringer fungiert“, heißt es in den Elmshorner Nachrichten vom 21.01.2021. Die gültige Analyse von 2019 hat ergeben, dass 6.100 Kfz/24h den Horstheider Weg befahren. Im Jahr 2035 wird davon ausgegangen, dass 7.450 Kfz/24h diese Strasse nutzen. Würde der Grenzweg gebaut, nutzen ihn im Jahr 2035 „nur“ 6.500 pro Tag. Im Vergleich zu heute ist dies eine Steigerung von 400 Kfz/24h. Es stellt sich die Frage wo hier von einer Entlastung für den Horstheider Weg gesprochen werden kann.

Die Elmshorner Straße würde laut Prognose um ca. 3.000 Kfz/24h entlastet werden. Allerdings hätte die Horster Landstraße/ Papenhöhe genau die Anzahl an Mehrverkehr zu verbuchen. Hier fände eine reine Verschiebung statt, die andere Horster und Elmshorner Bürger belaste.
Auch das Argument, die Autobahnanschlussstelle Elmshorn entlaste mit einer weiteren Ausfahrt, widerlegt das Gutachten. Die Reduktion läge bei ca. 2.000 Kfz/24h, was bei einer täglichen Belastung von ca. 50.000 Kfz/24h kaum ins Gewicht fiele. Die Rechtfertigung eines Straßenneubaus löst sich hier auf.

Wenn wir, die von der Landesregierung beschossene Reduktion der Flächenversiegelung, von derzeit mehr als 2,7 ha pro Tag auf 1,3 ha pro Tag, tatsächlich umsetzen wollen, dürften wir keine neuen Straßen mehr bauen und müssten auch sehr umsichtig mit Neubaugebieten umgehen.
Unabhängig davon ob es sich um Gewerbe- oder Wohngebiete handelt. Die Gemeinde Sparrieshoop hat bereits heute vier Hektar im Bereich des Grenzweges erworben, um dort das Gewerbegebiet zu erweitern.³

Häufig befinden sich auf Bauplätzen Baumbestände, die in der Regel gefällt werden. Falls junge Bäume nachgepflanzt werden, benötigen diese mehrere Jahrzehnte, um die Größe der gefällten Bäume zu ersetzen. Ausgleichsflächen sind nur Bruchteile der Flächen, die der Baumaßnahme zum Opfer fallen. Vor allem werden hier Flächen gewählt, die zuvor schon einen ökologischen Wert hatten. Von einem echten Ausgleich könnte man sprechen, wenn statt dessen die neu versiegelte Fläche an anderer Stelle entsiegelt würde.

Es wird Zeit, dass nicht nur über eine Verkehrswende gesprochen wird, sondern diese auch umgesetzt wird. Der Straßenneubau ist der falsche Weg, denn dass führt nur zu noch mehr Autoverkehr mit all seinen negativen Folgen. Der immer schnellere Verkehr führt dazu, dass immer längere Strecken in Kauf genommen werden. Dieser Teufelskreis muß schnellstens durchbrochen werden, wenn die Einhaltung der Klimaziele erreicht werden soll.

Trotz technologischen Fortschritts, gelang es nicht, den Schadstoffausstoß (20% der gesamten Emissionen) zu reduzieren. Alle Einsparungen wurden durch immer mehr und größere Fahrzeuge und längere Wege zunichte gemacht.
Wer kurze Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigt, kann schon heute einen wertvollen Beitrag zur Verkehrswende leisten. Der Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn kommt nicht nur der Umwelt
zugute, sondern fördert aktiv die Weiterentwicklung des ÖPNVs. Bisher gab es diesbezüglich nur Willensbekundungen, jedoch kaum Umsetzungen dringend notwendiger Maßnahmen.

Der Busverkehr im Kreis Steinburg soll Anfang 2022 verbessert werden. Auch diese Maßnahme sollte mit dazu führen, dass auf neue Straßen verzichtet werden kann. Das spart Kosten, die für den weiteren Ausbau einer umweltfreundlichen Mobilität verwendet werden können.
Also helfen Sie mit, den Verkehr und den damit verbundenen Flächenverbrauch zu reduzieren und die Klimakrise zu verhindern.

Der Kreisverband der Grünen in Steinburg unterstützt das Bestreben der Horster Grünen, die Sinnhaftigkeit des geplanten Grenzweg auf Basis der vorhandenen Gutachten neu zu überprüfen.

 


Birgit Asmus-Mrozek & Sven Wittenburg                                Josefine Möller & Manfred Sallach
Bündnis 90 / Die Grünen Fraktion Horst                                Bündnis 90 / Die Grünen Kreisvorstand


1.) Verkehrsgutachten Neubau Grenzweg vom 12.06.2020, auf Nachfrage bei der Gemeinde Horst-Herzhorn und beim Kreis Steinburg erhältlich.
2.) Verkehrsgutachten Neubau Grenzweg vom 12.06.2020, Seite 21
3.) Holsteiner Allgemeine am Wochenende, 6.02.2021

Pressemitteilung zum Grenzweg

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