40 Jahre Grüne

Im August 1980 wurde der Grüne Kreisverband in Steinburg gegründet.
40 Jahre später, am 5. September 2020, wurde in der Nähe des AKW Brokdorfs das Jubiläum in kleiner Runde gewürdigt.

Mit dabei waren unter anderem Reden des Gründungsmitgliedes Silke Dibbern-Voß, sowie der Bundestagsabgeordneten Ingrid Nestle und Jürgen Trittin.

Alle Reden können hier im Video oder als Text noch einmal betrachtet werden.

 

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0:00 Intro  0:37 Josefine Möller  6:00 Heinrich Voß 13:50 Jürgen Trittin 39:37 Ingrid Nestle 52:48 Manfred Sallach 58:18 Yannik Schmidtke 1:05:50 Silke Dibbern-Voß  1:17:42 Abspann

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Auf der Veranstaltung zum 40 jährigem Bestehen des KV Steinburg  sagte Heinrich Voß:

 

Die siebziger Jahre, mit der Bekanntgabe  der Pläne für ein AKW in Brokdorf   waren für uns nicht nur allein ein energiepolitischer Aufbruch, es war auch ein gesellschaftspolitischer Aufbruch.

Wir haben uns in Bürgerinitiaven engagiert. Die Informationen von Politik und Betreibern hinterfragt.

 Uns an kleinen Aktionen beteiligt und an den großen Demonstrationen teilgenommen.

Parteipolitisch waren viele Menschen in der Region heimatlos geworden.

 Zur  Kommunalwahl 1978 wurde  daher eine Grüne  Wählergemeinschaft ins Leben gerufen, damals schon dabei Uwe Carstensen aus Wilster.

 In Wilster erhielt die Grüne Liste damals   15% der Stimmen und im Kreistag war sie mit

 mit 6,6 %  und 3 Abgeordneten  vertreten.

Bei der folgenden Kommunalwahl erhielten wir Grünen für den Kreistag bereits 9 % der Stimmen und 4 Abgeordnetensitze.

 

 Vor 40 Jahren wurde im Kreis Steinburg die Grüne Partei  gegründet.

Bernd, der wie auch Silke damals dabei war, beschrieb diese  Gründungsphase folgendermaßen:

 „Das war am Anfang  ein wilder Strauß verschiedener Blumen, auch einige Dornen und Disteln dazwischen,

die dann zusammenfinden mussten.“

Die Themen die damals behandelt wurden, erkennen wir auch heute wieder:

 Die vielen ungeklärten Fragen zur Atomindustrie, Ausbau der erneuerbaren Energie, effiziente Energienutzung, das Industriegebiet Brunsbüttel, Verkehrsinfrastruktur, Energie und Verkehrswende ,Entwicklungspartnerschaft ,Datenschutz,Bürgerrechte Geschlechtergerechtigkeit, gesunde nachhaltige Ernährung,  Fragen der Sozial und Bildungspolitik, des Tierschutz.

Geändert hat sich die Form wie wir unsere Ideen und  Diskussionsergebnisse verbreiten können.

In den 80 Jahren wurde mit Festnetztelefon, Matrizen, Farbkartuschen und Handkopierer gearbeitet.

Zunächst war es auch schwer bei der Presse gehör zu finden.

Heute ist diese Situation aus unserer Gründerzeit, bei unserer derzeitigen Medienvielfalt  und  der Vielfalt an Endgeräten, den Angeboten von Google, Facebook und Zoom tatsächlich nur noch schwer vorstellbar.

Im Frühjahr 1986 kam es im Atomreaktor von Tschernobyl durch Bedienungsfehler zu einer Kernschmelze. Vielen Menschen wurde erst durch dieses Unglück auf dramatische Weise bewusst wie risikobehaftet auch die friedliche Nutzung die Atomenergie ist.

Trotzdem konnte  das Atomkraftwerk Brokdorf  im Sommer 1986 ans Netz gehen und das obwohl die Entsorgungsfrage auch zu diesem Zeitpunk ungeklärt war.

Wir Grüne sind von Anfang an ununterbrochen mit einer Fraktion im Kreistag vertreten und   haben dort  Ideen eingebracht und Themen gesetzt, im Ergebnis fanden und finden wir sie in Teilen umgesetzt irgendwann wieder.

Bei der Kommunalwahl 2018 erhielten wir etwa 14% der Stimmen und sind   Zeit mit 8 Abgeordneten im Kreistag vertreten.

 Grüne Fraktionen gibt es in Itzehoe, Glückstadt und Horst  und Kellinghusen.

Bei der letzten Europawahl erhielten wir im Kreis Steinburg überraschende 29 % der Stimmen, waren somit mit der bislang stärksten Fraktion auf Augenhöhe.

Vor 8 Jahren gaben Investoren die Pläne für ein großes Kohlekraftwerk in Brunsbüttel auf. Sie wollten ihre Pläne nicht gegen den Willen der Landesregierung umsetzen, war die Begründung.

Zuvor gelang es  einer Bürgerinitive den Bau 5 Jahre lang zu verzögern. Wir Steinburger Grüne haben diese Initiative tatkräftig unterstützt. Aus dieser Initiative heraus erfolgte übrigens die Gründung der Brunsbütteler Grünen.

Am 31. Dezember 2021 geht dieses Atomkraftwerk endlich vom Netz.

Damit geht von diesem Atomkraftwerk für Mitteleuropa kein Risiko mehr aus. Doch für unsere Region bleiben die Probleme bestehen.

Obwohl die Eon Tochter NWK in den letzten 35 Jahren  die genehmigten Abgabewerte für radioaktive Stoffe nur geringfügig genutzt hat, beantragt sie für den Rückbau genau diese  hohen Werte.

Und um scheinbar diesen Antrag zu unterstreichen, beantragt die NWK für den Rückbau des AKW, den Neubau einer Abwasserleitung für radiaktive Stoffe in die Elbe.

Für die mittelradioaktiven Teile, die beim Rückbau anfallen wird eine Transportbereitstellungshalle errichtet. Das Zwischenlager für die hochradioaktiven Castore, baugleich mit dem Zwischenlager in Brunsbüttel, soll nachgerüstet werden. Nach meiner Auffassung fehlen bislang Strategien, wie mit den Folgen des steigenden Meeresspiegels für diese Zwischenlager umgegangen werden soll.

Und die wichtigste gesellschaftspolitische  Frage in diesem Zusammenhang: wie verhindern wir das Vergessen dieser Zwischenlager?

In relativ kurzer Zeit sind wir in unserem Kreisverband fast 3mal mehr Mitglieder geworden.

Dadurch sind unsere Möglichkeiten gewachsen, weiter wirkungsvoll für eine klimagerechte, Ressourcen schonende, damit nachhaltige und enkelsichere Zukunft zu streiten.

 

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Gedicht zum 40-jährigen Jubiläum der GRÜNEN im Kreis Steinburg

von Silke Dibbern-Voß am 05.09.2020 in Roßkopp, Wewelsfleth

Liebe Leute hier im Marschenland,

ich kann euch erzählen vom Widerstand

gegen das Atomkraftwerk Brokdorf, ihr könnt es dort hinten sehen.
Früher befand sich an diesem Ort eine Wiese zum Mähen.

Im Oktober 73 wurde der AKW-Plan bekannt. Ich war damals 16 Jahre alt
und was Politik bedeuten kann, lernte ich in den nächsten Monaten bald!
Sauber sei die Atomkraft, so von Ministerpräsident Stoltenberg beteuert
und von den Atomlobbyisten wurden bunte Broschüren beigesteuert.

Zuerst versuchten die Herren der Atomindustrie
die Skepsis vor Ort zu bremsen, mit plumper Diplomatie.
Die Männer im Zwirn boten im Stall ihre Mitarbeit an,
wollten so vertrauensbildend brechen den Bann.

Man plante taktisch mit den Bauern ein gutes Klima,
ein elegantes Verfahren, das wäre doch prima!
So ganz auf Harmonie erpicht,
gelang ihnen dieses jedoch nicht.

Eine Bürgerinitiative entstand,
BUU wurde sie genannt.
Bauer Rolf Hellerich gründete sie als Vorsitzender mit,
und das war für die Planer überhaupt kein Hit!

Mit Enteignung von Grund und Boden drohten nun die NWK,
in Langform genannt: Nordwestdeutsche Kraftwerke GmbH.
Gefährlich gespannt war jetzt der Bogen,
der Atomstaat hatte seine erst Fratze gezogen.

Die Gegner, so hieß es, seien vom Osten gesteuerte Kommunisten,
ewige Nörgler, Spinner und "zurück auf die Bäume" Utopisten!
Traumtänzer, Langhaarige, faule Schüler und Studenten,
die Nichtsnutze der Nation und die Verpennten!

Sie alle behaupteten, ein AKW strahle radioaktiv,
von gefährlichen Isotopen, stand etwas in ihrem Info-Brief!
Da war die Rede von Halbwertzeit, Plutonium, Müll und Leukämie,
alles Lügen, erstmal richtig arbeiten sollten die!

Und dann diese störenden Physiker aus Hamburg, Wien und Bremen,
wissenschaftliche Nestbeschmutzer, es war zum Grämen!
Prof. Jens Scheer, Dr. Fritz Storim und die Professorin Schmitz-Feuerhake,
eine unbequeme Hochschul-Krake!

Überall klärten sie die Leute über Risiken auf
und setzten der Atomwissenschaft Hörner drauf.
Doch bei den Anhörungsterminen im "Colosseum",
war die Genehmigungsbehörde gar nicht so dumm.

Abgeriegelt wurde in Wilster der Tagungsplatz mit Sperren,
Polizei, Verfassungsschutz und blutrünstige Hunde waren da die Herren.
Nur die Einheimischen wurden gnädig im Saal zugelassen,
getrennt vom wissenschaftlichen Beistand, man konnte es vor Wut nicht fassen!

Trotzdem kam von den Hiesigen fundiertes physikalisch-technisches Wissen zutage.
Für den versammlungsleitenden Regierungsbeamten Herrn Backheuer, eine Plage!
Auf die Gefahren durch Unfälle und ständige Niedrigstrahlung wurde hingewiesen,
doch von keinem Sachargument ließ man sich die Atomenergie vermiesen.

Diese Bauern und einfachen Leute waren zäh,
und beklagten auch noch die Verletzung demokratischer Rechte, oh je!
Es reichte! Das Verfahren wurden schnell beendet,
der Planfeststellungsbeschluss den Einwendern zugesendet.

Immer noch gaben diese nicht auf nach verbalem Gefechte,
eine Klägergruppe, unter ihnen auch Landwirt Heinrich Voß, klagte ein ihre Rechte.
Auch 4 Gemeinden von hier und der anderen Seite Elbe,
stellvertretend Wewelsfleths Bürgermeister Sachse, taten dasselbe.

Ein zäher Prozess begann in Schleswig vor dem Verwaltungsgerichte,
davon zu erzählen, wäre eine besonders entlarvende Geschichte.
Die Forderung war: "Kein Baubeginn vor Gerichtsentscheid!"
Und die Landesregierung machte Glauben, sie wäre dazu bereit!

Doch dann kam bei Nacht und Nebel die gepanzerte Invasion,
viele wurden jäh geweckt, sahen Blaulicht und ahnten es schon:
Das sind Baumaschinen eskortiert von Polizeigeschützen, oh Mann!
Sie rückten in der Dunkelheit über Dammfleth nach Brokdorf an!

Jetzt wusste jede Frau und jeder Mann im Lande:
Nicht mit Argumenten kommen Entscheidungen zustande.
Mit Polizeigewalt und Stacheldraht wird das AKW durchgesetzt,
und das hat selbst Herrn Biedermann aufgehetzt!

Eine große Anti-AKW-Bewegung entstand, wer weiß das nicht!
Unser Motto: "Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!"
"Macht den Bauplatz wieder zur Wiese!" war unsere Forderung
und allmählich entstand in der Bevölkerung Stunk!

Immer mehr Leute kamen zusammen aus nah und fern,
fantasievolle Aktionen planten wir gemeinsam und gern.
Viele waren emsig für die erste Demo aktiv,
zu der die Bürgerinitiative Umweltschutz Unterelbe aufrief.

Am 30. Oktober 76 fand in Brokdorf am Deich die erste Kundgebung statt,
wir hatten den Natodraht um das Baugelände satt!
Einige hatten pfiffige Fantasie und Teppiche mitgebracht
und damit den gefährlichen Zaun niedergemacht.

Nun war es geschafft, wir konnten den Bauplatz besetzen, einige fingen an
und schafften Milch und Essen von den umliegenden Höfen heran.
Wenigstens eine Nacht wollte man bleiben, bei Lagerfeuer, in Zelten, auf Isomatten,
mit Gitarren und Liedern gegen die Aufgeregtheit, die viele in sich hatten.

Auch engagierte Pastoren waren dabei,
die führten Verhandlungen mit der Polizei.
Man erlaubte uns, zu bleiben
und wollte niemanden in der Nacht vertreiben.

Es war bereits dunkel, die Presseleute hatten den Ort verlassen,
da kam der Befehl von oben aus Kiel, man konnte es nicht fassen!
Mit Tränengas, Schlagstöcken und Chemical Mace wurde es ganz brutal!
Wir wurden vom Platz getrieben und es begannen Stunden der Qual.

Die Zelte wurden verbrannt, die Staatsgewalt wollte es nun zeigen
und uns den Widerstand ein für alle Mal verleiden!
Junge Polizisten sollten mit dem Knüppel prügeln, was war nur los!
Viele von ihnen brachen in Tränen aus - die Nerven lagen bloß!

Der Glaube an die Demokratie ging in dieser Nacht bei vielen kaputt
und auch der brave Bürger warf nun Steine gegen den Zaun mit Mut.
Es begann ein langer Kampf gegen die Atomenergie,
denn wir alle wussten, eine Sicherheit, die gibt es nie!

Mal laut, mal leise machten wir weiter,
oft ging es lustvoll zu und machte uns heiter.
Infos, Theater und kreative Aktionen mehrten sich im Nu,
Maßnahmen gegen Baumaschinen gehörten auch dazu.

Viele Freundschaften entstanden quer durch die Republik,
wir demonstrierten gemeinsam für den Atomausstieg.
"Kein AKW in Brokdorf und auch nicht anderswo!" Das war unser Ziel,
in Gorleben und Kalkar stand ebenfalls viel auf dem Spiel.

 

Uns war irgendwann klar: Demos und Proteste auf der Straße reichen nicht aus,

nur mit parlamentarischer Macht kommen wir aus der Atomenergie raus.

So gründeten wir 1980 DIE GRÜNEN als neue Partei

und eine erfrischend bunte Vielfalt von Menschen war dabei.

 

Unser Motto: „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt“

Und Jürgen Trittin hat dann endlich für den Beginn des Atomausstiegs gesorgt.

Neue Technologien entwickelten sich in rasantem Tempo, viele Private wurden aktiv,

Wind, Sonne und Biomasse waren nun auch für die Wirtschaft nicht mehr primitiv.

 

 

Nach 40 Jahren ist der Ausstieg zwar immer noch nicht ganz geschafft,

denn die Merkel-Regierung hatte diesen wieder rückgängig gemacht.

Leider mussten erst Katastrophen kommen, um zu verstehen:

Mit der Atomenergie darf es nicht weiter gehen!

 

Uns war immer klar, einen langen Atem brauchen wir,

haben inzwischen Kinder, Enkel und Urenkel hier.

Wir treffen uns heute an einem historischen Ort,

bald ist es endlich aus mit dem Betrieb des AKW dort!

 

Wohin mit dem Atommüll, die Frage gibt es nicht erst seit heute,

was wir GRÜNE nie wollten holt uns ein - welch großer Mist - liebe Leute!

Aber auch da müssen wir durch mit Mut und wissenschaftlichem Verstand

Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen für dieses Land!

 

Grüne Mitglieder und Abgeordnete werden wir immer mehr

Ingrid Nestle und Bernd Voß streiten für die Energiewende seit Jahren sehr.

Und: Unsere Ideen haben Kinder und das ist der Hit!

Die GRÜNE JUGEND mit Yannik Schmidtke macht auch bei Fridays for Future mit.

 

Wir gemeinsam sind eine coole „Grüne Bande“

Und bieten den ewig Gestrigen die Stirn in diesem Lande!

Unsere Forderung also ist und bleibt immer so:


"Kein AKW in Brokdorf und auch nicht anderswo!"

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Liebe Mitglieder, Liebe Freundinnen und Freunde,

in diesem Jahr wird der Kreisverband der Grünen in Steinburg 40 Jahre alt.

Dieses wichtige Jubiläum konnten wir aufgrund von Corona leider nicht mit einer Großen Feier begehen.

Darum haben wir entschieden das 40-jährige Bestehen in einem kleinen Rahmen zu würdigen.

Am Samstag, den 05. September sind Urmitglieder, Vertreter*innen der Ortsverbände sowie aus Kreisvorstand und Fraktion bei Heinrich Voß in Wewelsfleth zusammen gekommen um einen kleinen Rückblick und Ausblick zu wagen.

In Ihrem Grußwort richtete Kreissprecherin Josefine Möller ein großes Dankeschön an alle Menschen, die die Grünen im Kreisverband Steinburg in den letzten 40 Jahren durch eine Mitgliedschaft oder aktives ehrenamtliches Engagement unterstützt haben.

„Ein riesengroßes Dankeschön an alle Menschen, die den Kreisverband in den letzten 40 Jahren in seiner Entstehung und Entwicklung begleitet und unterstützt haben!!!

Danke an alle Mitglieder, Aktiven und Unterstützer*innen!

Es macht Spaß mit Euch zusammen Demokratie zu erleben und zu leben!

All die vielen Positionen der Grünen entstehen mit und durch Euch. Und wir möchten diese gelebte Demokratie vor Ort auch weiterhin für viele Menschen erfahrbar machen.

Die Grünen im Kreisverband Steinburg haben eine interessante Entstehungsgeschichte-

Und sie werden mit und durch Euch auch eine interessante und vielversprechende Zukunft haben!“

Gastgeber Heinrich Voß lenkte den Blick auf die Umstände in der Gründungszeit, in der sich viele Menschen „politisch heimatlos“ gefühlt haben. Sein Hof liegt in Sichtachse zum AKW Brokdorf, aber auch zum Windpark in Beidenfleth. Das Gelände liegt auf Höhe des aktuellen Meeresspiegels.

Mit der baldigen Abschaltung des AKW gehe von hier kein Risiko mehr für Mitteleuropa aus.

Für die Region blieben die Probleme  aber bestehen. ( Link zu der Rede)

 

Anschließend wusste Jürgen Trittin, der selbst in den Anfängen in Brokdorf vor Ort gewesen war, und in dessen Amtszeit als Bundesumweltminister das Atomausstiegsgesetz, die Ökosteuer und das „Erneuerbare Energien Gesetz“ fallen,  elegant den Bogen zur Geschichte der Grünen auf Bundesebene zu spannen. Er erwähnte auch schwierige Zeiten, die es gegeben habe. Und trotz allem sind die Grünen auf 100.000 Mitglieder gewachsen und sei es gelungen „Bleibendes“ zu schaffen. Er betonte die Ökologie als das tragende Element. Das BIP konnte nicht als alleinige Erfolgsgröße gelten, wenn die Lebensgrundlagen nicht einbezogen werden. Auch wandte er den Blick nach vorn auf das was noch zu tun sei „Erneuerbaren Energien im Strombereich auf 100% bringen aber auch in den Bereichen Wärme und Verkehr“.

 

Nachfolgend bestätigte die Bundestagsabgeordnete Dr. Ingrid Nestle, dass zu wenige Parteien die Klimakrise richtig ernst nehmen und wie wichtig darum eine Grüne Regierungsbeteiligung sei. Sie ist überzeugt, dass Klimaschutz Spaß machen kann und gesundheitlichen Mehrwert bringt. Pointiert zusammengefasst: „Autofahren verbrennt Geld und macht fett, Fahrradfahren verbrennt Fett und spart Geld“.  Sie betont die Bedeutung der Jugend, die in ihrem Weltbild noch nicht so festgelegt sei und daher offener für die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse sei. Davon können viele Erwachsene lernen. Als Energiewirtschaftliche Sprecherin der Bundestagsfraktion ist sie motiviert sich weiterhin für ernsthaften Klimaschutz in Berlin einzubringen.

 

 

Nach einer kurzen Pause erläuterte Kreissprecher Manfred Sallach die Wirkung der Baumspenden in Tansania, die auch ein Picknick für die Beteiligten vor Ort umfassten. Es war schwierig gewesen eine Fläche für Baumpflanzungen vor Ort zu finden. Manfred Sallach ist seit vielen Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit mit Berufsschulen in Tansania aktiv und weiß durch Pflanzungen, die er bereits wachsen gesehen hat, dass die Bäume gut gepflegt, vor Ort geschätzt und Ihren Beitrag zum Klima aber auch zum Nutzen der Menschen vor Ort bringen werden. [Bilder zur Pflanzung unter folgendem Link]

Zum Abschluss stand der Aktivismus im Vordergrund.

Yannik Schmidtke – Sprecher der Grünen Jugend im Kreis Steinburg und Delegierter bei Fridays for Future für Itzehoe, beschrieb wie sich die Jugendlichen vor Ort zusammengeschlossen und die ersten Klimastreiks in Itzehoe organisiert haben. Da das Ziel der Jugend „Wir streiken, bis ihr handelt“ noch nicht erreicht sei, lädt er alle ein den nächsten Globalen Klimastreik am 25.9. in Itzehoe zu unterstützen.

Silke Dibbern-Voß, Gründungsmitglied und Mitglied der Itzehoer Ratsfraktion erinnerte sich auf poetische Weise in einem „Gedicht  zum Widerstand“ an die prägenden Begegnungen der Anti-AKW-Bewegung mit öffentlichen Institutionen.

„Grüne Mitglieder und Abgeordnete werden wir immer mehr

Ingrid Nestle und Bernd Voß streiten für die Energiewende seit Jahren sehr.

Und: Unsere Ideen haben Kinder und das ist der Hit!

Die GRÜNE JUGEND mit Yannik Schmidtke macht auch bei Fridays for Future mit.

 

Wir gemeinsam sind eine coole „Grüne Bande“

Und bieten den ewig Gestrigen die Stirn in diesem Lande!“

 

Wir schließen mit einem Herzlichen Dank an alle Mitglieder und aktiven Unterstützerinnen und freuen uns mit Euch gemeinsam weiter Zukunft im Kreis Steinburg mitgestalten zu dürfen!

Josefine Möller und Manfred Sallach

Sprecher*innen des KV Steinburg

 

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Am Samstag den 5.9.20 begingen wir eine Feierstunde zum 40sten Bestehen der Grünen im Kreis Steinburg. Aufgrund der noch immer notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen konnten wir nur wenige Gäste einladen. Die eigentlich seit über einem Jahr geplante große Party mussten wir auf unbestimmte Zeit verschieben. Wir wollten mit etwa 250 Gästen auf Planet Alsen in Itzehoe richtig Party machen.

Wie wichtig einzelnen Menschen solche Gedenkfeiern sind ist an den Reaktionen zu Planung und Durchführung zu erkennen. Mich erreichen einige Kommentare unzufriedener Mitglieder und Wegbegleiter der Grünen, die enttäuscht sind, nicht eingeladen worden zu sein. Auch über Ablauf und Inhalt der Feierstunde gibt es kritische Anmerkungen.
Andererseits danken Teilnehmer und Mitglieder für die angemessene Erinnerung an die wichtige und bewegte Entstehungsgeschichte der Grünen Partei, gerade hier im Norden Deutschlands.

Im Oktober 1973 wurden die AKW-Brokdorf Pläne bekannt. Spätestens zum Baubeginn des AKW  organisierte sich ein starker Widerstand in der Bevölkerung. Das politisch sehr ungeschickten Vorgehen der Schleswig Holsteiner Regierung unter Ministerpräsident Stoltenberg tat sein Übriges.
Die Bürgerinitiative BUU wurde von Rolf Hellerich, einem Landwirt der Wilstermarsch, gegründet.

Am 30. Oktober 1976 fand die erste Kundgebung am Deich in Brokdorf statt. Das Baugelände wurde besetzt und Verhandlungen begannen. Als die Presse gegangen war kam der Einsatzbefehl aus Kiel. Die Demonstranten sollten vom Gelände verwiesen werden.
Polizeigewalt gegen Demonstranten, falsche Versprechungen und eine lebensbedrohende Atom Technologie führten zum Mut in der Bevölkerung, Demokratie wieder ernsthaft zu betreiben. Schon damals wusste man um das Problem der fehlenden Entsorgungs-Möglichkeit für den strahlenden Müll.

Diese mutigen Menschen, die damals gegen die Atomindustrie antraten sind ebenso woichtig wie die heute mutigen Menschen der Fridays For Future Bewegung. Beide stritten und streiten für eine lebenswerte Zukunft und beleben die Demokratie. Beide brauchen einen langen Atem und können wichtige Erfolge verbuchen

Ende 2021 wird das Brokdorfer Atomkraftwerk vom Netz genommen. Es hat lange, zu lange, gedauert dieses Ziel zu erreichen. Und es wird das Problem der Entsorgung, das Problem mit dem Umgang mit Atommüll und mit Rückbau der Kraftwerke weiter bestehen bleiben.

Jürgen Trittin, erster Grüner Bundes Umweltminister hat uns beehrt und eine eindrucksvolle Rede gehalten.
Ingrid Nestle, unsere Steinburger Grüne Kraft im Bundestag kämpft aktiv und klug für die Energiewende.
Heinrich Voss und Silke Dibbern Voss, Kämpfer*innen der ersten Stunde, stellten eindrucksvoll den harten Weg bis zum Atomausstieg dar.
Yannik Schmidke machte Mut, mit der Jugend, mit Fridays for Future die Zukunft zu gestalten. Es ist schön, dass sich viele Grüne Jugend Mitglieder aktiv an dieser Zukunftsentwicklung beteiligen.

Ich kann dabei stolz auf uns Grüne sein. Wir sind eine starke politische Kraft in Kommunalverwaltungen, in Kreistagen, in Landesregierungen und im Bundestag. Selbst im Europaparlament kommt man nicht mehr an uns und unseren lebenswichtigen Positionen vorbei. Weltweit stehen die Grünen Themen präsent auf der Agenda.

Ich selber war vierzehn Jahre alt, als sich die Grünen im Kreis Steinburg gründeten. Ich wohnte weit weg vom AKW und war damals an den Demonstrationen nicht beteiligt. Trotzdem bin ich stolz, heute zu den Grünen zu gehören. Ich darf sogar schon seit einigen Jahren im Vorstand der Bündnis 90 / Die Grünen des Kreises Steinburg arbeiten. In einem traditionell so wichtigen Grünen Kreisverband zu agieren ist etwas Besonderes.
Insbesondere beeindrucken mich die "alten" Mitstreiter*innen, die eindrucksvoll von den aktiven Protesten berichten. Manchmal kann ich kaum glauben, wie unsensibel die Politik in den 70er ud 80er Jahren mit Protesten umgegangen ist. Positiv bewerte ich jedoch die demokratische Entwicklung Deutschlands seit dieser Zeit. Wir Bürger nehmen unsere Bürgerrechte wahr. Wir können mit gestalten und wir tun dies auch. Dieses wichtige politische Verständnis müssen wir unserer Jugend auch weiterhin vermitteln. Demokratie ist die Regierung des Volkes durch das Volk, das beschränkt sich nicht nur auf die Teilnahme an Wahlen.

In einem eindrucksvollen Gedicht über die Entstehungsgeschichte der Grünen im Kreis Steinburg hat unser Gründungsmitglied Silke die letzten vierzig und mehr Jahre für uns erlebbar gemacht. Ihr findet es auf der Website der Grünen Steinburg.

Und ein Versprechen möchte ich auch noch abgeben. Wenn die Infektionsschutz Maßnahmen es wieder zulassen werden wir eine Feier der Grünen organisieren. So lange treffen wir uns aktiv online oder in kleinen Gruppen um die Zukunft mit zu gestalten.

Manfred Sallach

Vorstandssprecher

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